Standorte des
Herz- und Gefäßzentrums:

an der Klinik Immenstadt

Im Stillen 3
87509 Immenstadt
Tel: 08323/910-8950

am Klinikum Kempten

Robert-Weixler-Straße 50
87439 Kempten/Allgäu
Tel: 0831/530-2217

Elektrophysiologie

Ein besonderer Schwerpunkt des Herz- und Gefäßzentrums bildet die kardiale Elektrophysiologie, die sich mit der Diagnostik und Therapie von Herzrhythmusstörungen beschäftigt.

Unser Herz schlägt in Ruhe normalerweise in einer regelmäßigen Abfolge 50 bis 80mal pro Minute, d.h. ca. 100.00 mal pro Tag. Unter körperlicher oder seelischer Belastung kann die Herzfrequenz deutlich ansteigen, um dem höheren Sauerstoffbedarf unserer Organe insbesondere der Muskulatur unter Belastung nachzukommen. Dieser Anstieg wird als „normal“ empfunden, da wir dieses Phänomen zeitlebens kennen. Anders verhält es sich aber, wenn unverhofft Herzstolpern auftritt, „Aussetzer“ bemerkt werden oder eine plötzliche Beschleunigung des Pulses ohne konkreten Anlaß auftreten. Diese Situationen werden von den meisten Menschen als ungewohnt und häufig auch als bedrohlich empfunden. Dies trifft besonders dann zu, wenn zum Gefühl des Herzrasens Schwindel oder ein starkes Schwächegefühl hinzukommen.

Aber auch ein zu langsamer Puls hat negative Auswirkungen auf unser Befinden und unsere Belastbarkeit. Hier werden meist Schwindelgefühle bis hin zu Bewußtseinsstörungen oder aber das Gefühl beklagt, dass das Herz bei Belastungen nicht „mitgehen“ möchte.

Beide Funktionsstörungen sowohl das Herzrasen (Tachykardie) als auch der zu langsame Herzschlag (Bradykardie) sind in der Regel abklärungs- und behandlungspflichtig, um Risiken für das eigene aber auch für das Leben anderer abzuwenden. Die Symptomatik einer Herzrhythmusstörung alleine sagt jedoch wenig über deren Gefährlichkeit aus, auch wenn anhaltende Störungen insbesondere in Verbindung mit Schwindel, Luftnot oder Bewusstseinsstörungen zu einer sofortigen Abklärung mit Einweisung in eine Klinik durch den Notarzt führen sollte. Viele Herzrhythmusstörungen insbesondere immer wieder auftretendes, für wenige Minuten bis Stunden anhaltendes Herzrasen bei jungen ansonsten gesunden Menschen, gelten als abklärungsbedürftig, auch wenn diese meist nicht lebensgefährlich sind und durch so genannte vagale Manöver (wie Pressen, kaltes Wassertrinken etc) beendet werden können.

Phasen von unregelmäßigem Puls oder kurze Episoden von Herzstolpern sollten ebenfalls ernst genommen werden, weil es sich hierbei oft um das sogenannte Vorhofflimmern handelt. Diese Herzrhythmusstörung stellt in der Regel keine unmittelbare Gefahr für das Herz dar (viele Menschen haben dauerhaftes Vorhofflimmern). Hier droht Gefahr bei nicht bestehender medikamentöser Blutverdünnung durch die Bildung von Blutgerinnseln im Herzen mit der gefährlichen Folge eines Schlaganfalles. Deshalb sollte bei Nachweis dieser Rhythmusstörung mit dem Hausarzt/Internisten oder Kardiologen in jedem Falle die Notwendigkeit einer blutverdünnenden Therapie besprochen und diskutiert werden.

Wichtig

In jedem Falle sollte die Dokumentation der Herzrhythmusstörung durch ein EKG angestrebt werden. Diese kann in der nächstgelegenen Klinik/Praxis durchgeführt werden  oder aber, falls die Störungen erstmals auftreten oder von Schwäche, Schwindel, Herzschmerzen begleitet sind, durch den sofort alarmierten Notarzt erfolgen.

In den Kliniken Kempten-Oberallgäu können Patienten mit Herzrhythmusstörungen im akuten Fall immer direkt über die internistische Notaufnahme aufgenommen werden oder aber im weniger dringlichen Fall in der elektrophysiologischen Sprechstunde zur Klärung der Notwendigkeit einer stationären Abklärung vorstellig werden (für Privatpatienten direkte Anmeldung, für gesetzlich versicherte Patienten durch prästationäre Einweisung über Hausarzt möglich). Zu jeder Tages- und Nachtzeit steht in den Kliniken Kempten und Immenstadt ein Kardiologe zur Interpretation des EKGs und Festlegung der Behandlungsstrategie einer Herzrhythmusstörung zu Verfügung.

Wird eine stationäre Abklärung von Ihrem behandelnden Hausarzt oder Kardiologen oder aber nach unserem Urteil notwendig, dann steht Ihnen hierfür am Klinikum Kempten unter Leitung von Herrn CA PD Dr. med. Martin R. Karch ein spezialisiertes Team von Ärzten und Pflegekräften zur Verfügung. Zur Durchführung der sogenannten elektrophysiologischen Untersuchungen und Katheterablationsbehandlungen (s.u.) wurde in der Klinik Memmingerstrasse ein Herzkatheterlabor mit modernster Technik ausgestattet.

Nach Erreichen der Einhäusigkeit am Klinikum Kempten (November 2012) in der Robert-Weixler-Strasse werden wir in einem komplett neu errichteten Funktionsgebäude zwei neue komplett ausgestattete Herzkatheterräume beziehen können. Hier werden wir Ihnen dann mit erweiterter Kapazität für die genannten Eingriffe in einem modernen Umfeld weiterhin zu Verfügung stehen.

Wie kann eine Herzrhythmusstörung erkannt und diagnostiziert werden?

  1. Ruhe-EKG
    Ein Ruhe-EKG, welches während der Herzrhythmusstörung aufgezeichnet werden konnte, ist dabei meist schon sehr hilfreich.
    Hier kann häufig schon entschieden werden, ob eine weitere Abklärung mittels einer elektrophysiologischen Untersuchung (s.u.) sinnvoll ist und ob die betreffende Herzrhythmusstörung verödet (abladiert) werden kann.
  2. Langzeit-EKG
    Ein LZ-EKG wird  durchgeführt, sofern es bislang nicht gelungen ist, die betreffende Herzrhythmusstörung in einem Ruhe-EKG aufzuzeichnen oder aber um die Häufigkeit einer Herzrhythmusstörung z.B. von Extraschlägen zu untersuchen. Diese Geräte zeichnen das EKG fortlaufend für 24 bzw. 48 Stunden in Ausnahmefällen sogar für  bis zu 7 Tage auf. Während der Aufzeichnungsdauer ist es hilfreich, wenn Symptome, die auf eine Herzrhythmusstörung hindeuten, in einem kleinen Tagebuch mit genauer Uhrzeit vermerkt werden. Hiermit können dann bei der Auswertung subjektive Symptome und EKG-Daten genau abgeglichen werden.

    SONDERFORM: 12 Kanal LZ EKG
    Dieses spezielle EKG kann nicht nur ein EKG für 24 Stunden aufzeichnen, sondern für die gesamte Aufzeichnungsdauer 12 EKG-Kanäle abspeichern. Dies hat bei bestimmten Rhythmusstörungen für die Planung und Beurteilung der Erfolgsaussichten einer Ablationsbehandlung erhebliche Bedeutung.
  3. Belastungs-EKG
    Ein Belastungs-EKG wird immer dann durchgeführt, wenn Herzrhythmusstörungen bisher durch körperliche Belastungen provozierbar waren oder wenn der Verdacht besteht, dass Durchblutungsstörungen des Herzens mitursächlich sein könnten.
  4. Event-Recorder
    Hierbei handelt es sich um ein kleines Gerät von der Größe eines USB Sticks, das unter die Haut im Brustbereich in lokaler Betäubung implantiert werden kann. Eine Implantation wird erwogen, sofern die bisherigen Untersuchungen keine Herzrhythmusstörungen nachweisen konnten, diese aber hochwahrscheinlich für die Symptome eines Patienten verantwortlich sind. Ein Eventrecorder kann über drei Jahre ein EKG aufzeichnen, welches dann in der kardiologischen Praxis oder in der Klinik abgerufen werden kann.
  5. EPU (Elektrophysiologische Untersuchung)
    Bei einer EPU handelt es sich um eine invasive Untersuchung, bei der nach lokaler Betäubung über ein Blutgefäß in der Leiste kleine Katheter schmerzfrei zum Herzen vorgeführt werden, um dort den Ursprungsort bzw. den genauen Mechanismus einer Herzrhythmusstörung aufzuklären. Hierzu wird das Herz über die genannten Katheter wie durch einen Schrittmacher stimuliert, was als Herzstolpern wahrgenommen werden kann. Zur Diagnosestellung ist es notwendig, die klinische Herzrhythmusstörung dabei auszulösen, um den genauen Mechanismus verstehen zu können. Die Dauer einer EPU ist sehr variabel und abhängig davon, wie schnell die Herzrhythmusstörung induziert und deren Ursprungsort gefunden werden kann. Um die Untersuchung für den Patienten zu erleichtern, können hierzu meist leichte Schlafmittel verabreicht werden.

    Wann ist eine EPU angezeigt?

    Eine EPU wird immer dann empfohlen, wenn

    1.die genannten Untersuchungen Herzrhythmusstörungen nachweisen konnten, deren Ursprung mit hoher Wahrscheinlichkeit verödet und damit dauerhaft beseitigt werden kann.
    2.Herzrhythmusstörungen nicht auf einem EKG dokumentiert werden konnten, diese aber mit hoher Wahrscheinlichkeit für die Symptome eines Patienten verantwortlich sind (ggf. zunächst Eventrecorder Implantation s. Punkt 4)
    3.Bewußtseinsverluste nicht durch andere Ursachen erklärbar sind und Herzrhythmusstörungen mit hoher Wahrscheinlichkeit als Verursacher in Frage kommen

    Welche Therapieverfahren stehen zur  Behandlung von Herzrhythmusstörungen zu Verfügung?

    1. Medikamentöse Therapie
    Nach genauer Diagnosestellung werden in einem individuellen Gespräch die möglichen Therapieoptionen erläutert. Sollte eine medikamentöse Therapie zur Therapie der Herzrhythmusstörung erfolgversprechend sein, so werden diese nach Darstellung der Besonderheiten und möglicher Nebenwirkungen verordnet.

    Ist eine Herzrhythmusstörung hingegen mit hoher Wahrscheinlichkeit durch eine Katheterablationsbehandlung dauerhaft zu heilen, so wird das Risikos einer lebenslangen Medikamenteneinnahme dem Risiko eines invasiven Eingriffes zur Entscheidungsfindung gegenüber gestellt werden.

    2. Katheterablationsbehandlung
    Ist der Ursprungsort der Herzrhythmusstörung ausfindig gemacht, kann dieser in den meisten Fällen in der gleichen Sitzung mittels einer Katheterablation (Verödung) behandelt werden. Bei dieser Ablation werden die für die Herzrhythmusstörung ursächlichen Zellen durch leichtes Erwärmen der Katheterspitze verödet. Dieser Eingriff ist entweder komplett schmerzfrei oder kann ein leichtes Brennen in der Herz- oder Schultergegend während der Verödung verursachen. Durch diese Ablation kann die Herzrhythmusstörung in vielen Fällen ganz beseitigt werden. Dann können auch bislang notwendige Rhythmus-Medikamente in ihrer Dosis häufig reduziert oder ganz abgesetzt werden.

    Bei der Behandlung komplexer Herzrhythmusstörungen wie z.B. dem Vorhofflimmern kommen dabei hochmoderne strahlungsfreie dreidimensionale Mapping (Lokalisations)-Systeme zur Anwendung (EnSite NavX). Diese erlauben es, einen Katheter im Herzen millimetergenau zu navigieren und erleichtern so das Auffinden der Ursprungsorte einer Herzrhythmusstörung.  Somit ermöglichen diese eine Ablation mit hoher Präzision mit nur einem Mindestmaß an Röntgenstrahlenbelastung.

    3. Kombination aus medikamentöser Therapie und Katheterablationsbehandlung
    In manchen Fällen kann eine adäquate Therapiestrategie auch eine Kombination aus Ablation und spezieller medikamentöser Therapie beinhalten.

    4. Herzschrittmacher, interne Defibrillatoren (ICD) und kardiale Resynchronisationssysteme (CRT)
    Sowohl Herzschrittmacher und interne Defibrillatoren als auch kardiale Resynchronisationssysteme werden an beiden Klinikstandorten von einem langjährig erfahrenen Team implantiert.

    Alle genannten Gerätetypen werden in lokaler Betäubung rechts oder links unterhalb des Schlüsselbeins unter die Haut eingesetzt. Auf Patientenwunsch können Medikamente zur Sedierung verabreicht werden, so dass der Patient während des Eingriffes schläft.

    4a. Herzschrittmacher

    Die Implantation eines Herzschrittmachers ist immer dann indiziert, wenn das Herz spontan zu langsam schlägt bzw. Pausen von mehreren Sekunden Dauer auftreten.

    Eine weitere häufige Indikation besteht bei Patienten, bei denen ein so genanntes Bradykardie (zu langsamer Herzschlag -Tachykardie (zu schneller Herzschlag)- Syndrom vorliegt. Hier müssen die Phasen mit zu schnellem Puls durch Medikamente gebremst werden wodurch in den  Phasen mit zu langsamem Pulsschlag die Herzfrequenz noch weiter absinkt. Hier wird ein Schrittmacher notwendig, der eine einstellbare Mindestherzfrequenz sicherstellen kann.

    4b. Interner Defibrillator (ICD)

    Eine ICD- Implantation ist dann gerechtfertigt, wenn spontan lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen aus der Herzhauptkammer aufgetreten sind, die durch medikamentöse Therapie oder Katheterablationsbehandlung in der Regel nicht sicher unterdrückt werden können (Sekundärprophylaxe). Diese Herzrhythmusstörungen treten i.d.R. bei Patienten mit vorgeschädigtem Herzen auf (Herzinfarkt, Bluthochdruck, Herzklappenerkrankungen, Herzmuskelentzündung etc) und können zum plötzlichen Herztod führen. Ein ICD kann diesen sicher verhindern, da er 365 Tage im Jahr 24 Stunden täglich den Herzrhythmus überwacht und bei Auftreten der erwähnten Herzrhythmusstörungen diese durch schmerzlose Überstimulation oder durch einen lebensrettenden Elektroschock beenden kann.

    Eine zweite Indikation zur ICD-Implantation besteht bei stark geschwächtem Herzmuskel in Folge von verschiedenen Herzerkrankungen (Herzinfarkt, Bluthochdruck, Herzklappenerkrankungen, Herzmuskelentzündung etc) auch ohne dass bereits lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen aufgetreten sind (Primärprophylaxe), da hier mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit mit dem Auftreten dieser Rhythmusstörungen zu rechnen ist.

    4c. Kardiale Resynchronisationssysteme CRT

    Bei ausgeprägter Herzschwäche und Defekt eines Leitungskabels im Herzen (Linksschenkelblock) kommen spezielle Herzschrittmacher- bzw. Defibrillatoren zum Einsatz, die in der Lage sind, zu den oben erwähnten Fähigkeiten das defekte Kabel im Herzen zu ersetzen und eine Verbesserung der Herzleistung zu erreichen.

TV Allgäu – Treffpunkt Gesundheit, 18.Januar 2014

April 2019: Selective C-reactive protein-apheresis in patients. 

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E-Mail: kempten(at)hgz-oa.de

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